Forschungsprojekte

Rückenschmerz I

Rückenschmerzen sind weltweit eine der häufigsten Gründe, warum ärztliche Behandlungen in Anspruch genommen werden. Ihre Prognose ist im allgemeinen gut, da die meisten Beschwerden innerhalb von vier Wochen spontan heilen. 80 bis 90 % der Patienten können innerhalb von sechs Wochen nach einem akuten Ereignis zu ihrer Arbeit zurückkehren. In 10 bis 30 % kommt es jedoch zu Rezidiven und ca. 5 bis 10 % der Patienten erleiden einen chronischen Verlauf. Die Krankengeschichten dieser Patienten zeichnen sich durch lange Arbeitsunfähigkeitszeiten und einen hohen Prozentsatz an Frühberentungen aus.

Auch in hausärztlichen Praxen gehören "Kreuzschmerzen" zu den häufigsten Behandlungsanlässen (Praxisprävalenz von 8 % pro Woche ). Der behandelnde Arzt ist mit einer Vielzahl von diagnostischen und therapeutischen Optionen konfrontiert, deren Effektivität nicht sicher nachgewiesen ist. Gleichzeitig besteht die Gefahr, durch intensive Diagnostik und passive Maßnahmen das Krankheitserleben des Patienten zu verstärken und über eine "iatrogene Somatisierung" einer frühzeitigen Chronifizierung Vorschub zu leisten.

Die Leitlinie

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erstellt evidenzbasierte Leitlinien für die hausärztliche Patientenbetreuung. Die Leitlinien werden nach einem 10-stufigen Konzept mit Praxiserprobung entwickelt. Im Rahmen dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Programms entstand auch die Leitlinie "Kreuzschmerzen", die die vorhandene Evidenz diagnostischer und therapeutischer Strategien zur Behandlung akuter und chronischer Kreuzschmerzen für Hausärzte zusammenfasst. Neben einer ausführlichen Langfassung und einer kurzen Kitteltaschen-Version enthält sie Informationen für Arzthelferinnnen und Patienten.

Studienziele

Hauptziele der Studie waren, die Effektivität der Verbreitung (Implementierung) einer evidenzbasierten Leitlinien und die Wirkung einer motivierenden Beratung (motivational counselling) durch Arzthelferinnen auf den Krankheitsverlauf und die körperliche Aktivität der Patienten mit Rückenschmerzen zu untersuchen. Im Einzelnen geht es um folgende Fragen:

Effektivität der Leitlinienimplementierung

Versorgungsepidemiologie

Studiendesign

Es handelte sich um eine dreiarmige prospektive (cluster-) randomisierte Studie in zwei Zentren mit zwei Interventionsgruppen und einer Kontrollgruppe. Rekrutierungsziel waren ca. 2.000 Patienten aus 120 hausärztlichen Praxen aus dem Raum Marburg und Göttingen. Die Patienten wurden bei Studieneintritt, nach vier Wochen sowie nach 6 und 12 Monaten mit standardisierten Fragebogen und Telefoninterviews befragt. Es wurden demographische, versorgungsepidemiologische und krankheitsbezogene Daten erhoben.

Intervention

In den beiden Interventionsarmen der Studie wurden die Ärzte in Qualitätszirkeln mit den Inhalten der Leitlinie vertraut gemacht. Zusätzlich werden die vermittelten Inhalte durch Praxisbesuche von Studienassistentinnen verstärkt (academic detailing). In einem der beiden Studienarme werden zusätzlich die Arzthelferinnen in motivierender Beratung (motivational counselling) nach dem transtheoretischen Model von Prochaska ausgebildet, um Patienten in mehreren Sitzungen zu mehr körperlichen Aktivität zu motivieren. Der Kontrollarm erhielt die Leitlinie nur per Post, was bekanntermaßen nicht effektiv ist.

Stand der Studie

Es wurden 116 Arztpraxen rekrutiert. Die Schulungen der Ärzte in Qualitätszirkeln sowie der Arzthelferinnen in motivierender Beratung sind abgeschlossen. Es wurden 1.378 gültige Patienten in die Studie eingeschlossen worden. Die Patientenrekrutierung wurde im Dezember 2003 abgeschlossen. Die Datenerhebung wurde im Dezember 2004 abgeschlossen. Die ersten Ergebnisse wurden auf nationalen und internationalen Kongressen vorgestellt.

Beteiligte Abteilungen

Die Studie ist eines von 10 Projekten des Deutschen Forschungsverbunds Rückenschmerz (DFRS), der sich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung der Erforschung von Epidemiologie, Diagnostik und Therapie von Rückenschmerzen widmet.

In der hier vorgestellten Implementierungsstudie kooperieren folgende Abteilungen:

Hinweis: Diese Projektseite wird nicht mehr aktualisiert und hat Archivstatus.

Ansprechpartner / Kontakt
Jean-François Chenot
Prof. Dr. med. Jean-François Chenot, MPH
Universitätsmedizin Greifswald, Direktor der Abt. Allgemeinmedizin
Telefon:
+49 (0)3834-86-7743
Telefax:
+49(0)3834-86-7752
E-Mail:
jchenot@uni-greifswald.de
Web:
www.medizin.uni-greifswald.de