Forschungsprojekte

Nackenschmerz

Die hausärztliche Versorgung von Patienten mit Nackenschmerzen wird durch eine große Zahl möglicher Einflussfaktoren bestimmt, die Hausärzte unter dem Druck eines raschen Behandlungserfolges nur begrenzt berücksichtigen können.

Zudem werden Behandlungsoptionen kaum durch Empfehlungen gestützt. Die geplante Längsschnittstudie soll dieses Problemfeld aus Sicht von Patienten und Ärzten beschreiben, konfligierende oder übereinstimmende Erwartungen herausarbeiten und das Potential für ein gemeinsames Arbeitsbündnis ausloten. Vorgesehen ist ein zweistufiges Vorgehen:

  1. Hausärztliche Patienten mit Nackenschmerzen werden zum Baseline-Zeitpunkt und 3-Monats-Follow-up durch einen symptomspezifischen Fragebogen untersucht (quantitativer Ansatz).
  2. In Interviews mit Patienten und Ärzten sollen die subjektive Wahrnehmung von Nackenschmerzen sowie Krankheitstheorien und Behandlungsstrategien thematisiert werden (qualitativer Ansatz).

Die Ergebnisse können die Grundlage für eine Patientenleitlinie bilden, deren Evidenz vor allem durch die qualitative Analyse gestärkt wird. Gleichzeitig können sie zur Entwicklung von Strategien dienen, die eine wichtige Ergänzung für den arztbezogenen Teil der Leitlinie sein können.

Ausgangssituation

Bei der Versorgung von Patienten mit Nackenschmerzen sehen sich Hausärzte einer komplexen Aufgabenstellung gegenüber, die es erfordert, zwischen harmlosen und abwendbar gefährlichen Verläufen zu differenzieren, aber auch die Diagnostik sinnvoll zu begrenzen und eine Chronifizierung zu verhindern. Trotz der Häufigkeit als Beratungsanlass in der allgemeinärztlichen Praxis sind Nackenschmerzen meist selbstlimitiert und können in der Regel ohne ärztliche Hilfe bewältigt werden. In Bereichen, in denen medizinische Interventionen nicht zwingend notwendig sind, erscheint es daher essentiell, Grundlagen für intelligente Patientenanleitungen zu entwickeln, z. B. durch eine Patientenleitlinie "Nackenschmerzen".

Studienziele

Ziel des Projektes ist es, Probleme in der Versorgung von Nackenschmerzpatienten aus der Perspektive von Hausärzten und Patienten zu untersuchen, konfligierende oder    übereinstimmende Erwartungen herauszuarbeiten und das Potential für ein gemeinsames Arbeitsbündnis auszuloten. Auf der Grundlage dieser Daten wird die zurzeit in der Entwicklung befindliche DEGAM-Leitlinie "Nackenschmerzen" thematisch ausgerichtet und ergänzt. Vorgesehen ist eine Längsschnittschnittsstudie mit (1) einem quantitativen und (2) einem qualitativen Ansatz:

  1. Ziel der quantitativen Erhebung ist zum einen die Erfassung von anamnestischen (Konsultationshäufigkeit, bisherige Behandlungen, bildgebende Diagnostik, Medikation) und soziodemographischen Charakteristika durch einen standardisierten Fragebogen. Zum anderen wird durch die Quantifizierung der empfundenen Schmerzintensität Neck Pain and Disability Scale (NPAD) ermöglicht, die Selbstlimitierung von Nackenschmerzen und ihre Assoziation mit Konsultationsfrequenz und durchgeführten Untersuchungen und Behandlungen zu analysieren. Durch eine erneute Befragung nach 3 Monaten erhält man Längsschnittdaten, die in Modelle zur Prädiktion der Varianz von Nackenschmerzen einfließen können. Des Weiteren soll das Zusammenspiel von Konsultationsfrequenz, durchgeführten Behandlungen und Schmerzstärke untersucht werden. Nach Verknüpfung von quantitativen und qualitativen Daten sollten sich Faktoren identifizieren lassen, die die Varianz der Schmerzverläufe erklären und Einblicke in die Selbstlimitierung von Nackenschmerzen geben.
  2. In Interviews mit Ärzten sollen Behandlungsstrategien, Krankheitskonzepte und Schwierigkeiten in der Versorgung thematisiert werden. Die Patienteninterviews zielen auf das subjektive Krankheitserleben von Nackenschmerzen, auf "kritische" Erfahrungen und auf persönliche Erklärungsmodelle.

Studiendesign

Es handelt sich um eine Längsschnittstudie mit einem qualitativ-quantitativen Ansatz. Es finden 2 quantitative Erhebungen mit Patienten statt; eine unmittelbar nach Rekrutierung Der PatientInnen in der Hausarztpraxis und eine per Briefpost nach 3 Monaten. Für beide Erhebungen werden die gleichen Instrumente verwendet.  Zwischen beiden Befragungen werden 45minütige Interviews mit Patienten und Ärzten getrennt geführt.

Hausärztliche Patienten mit Nackenschmerzen werden zum Baseline-Zeitpunkt und bei einem 3-Monats-Follow-up standardisiert zu klinischen Charakteristika ihrer Beschwerden befragt. Hierfür wird die "Neck Pain and Disability Scale" (NPAD) verwendet. Die Baselinecharakteristika der Patienten in Bezug auf demographische Daten, Schmerzdauer, Behandlungsfrequenz, therapeutische Vorerfahrung, Schmerzen (NPAD) und Körperliche Aktivität werden erfasst und vergleichend dargestellt.  Für kontinuierliche Daten werden ANOVA und für kategorische Daten ein Chi²-Test durchgeführt, bzw. alternative nicht-parametrische Tests. Als Signifikanzlevel wird für alle Teste a= 0.05 gewählt. Zur Prädiktion der Varianz von Nackenschmerzen werden multiple lineare Regressionen gerechnet (z. B. mit dem NPAD-Score als Zielvariable).

Mit Patienten und Hausärzten werden ca. 45-minütige Interviews geführt, die digital aufgenommen werden. Das akustische Datenmaterial wird mit Hilfe einer speziellen Software transkribiert. Die Erhebung und die Auswertung der Daten erfolgen nach den Prinzipien der systematische Textanalyse in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Von Bedeutung ist dabei das Modell der induktiven Kategorienbildung nach einer Auswertung von 10 bis 15 % des Datenmaterials. Die entwickelten Kategorien werden in einer Rückkopplungsschleife überarbeitet, einer Reliabilitätsprüfung unterzogen und können später zu Überkategorien zusammengefasst und in Teilaspekten auch quantitativ ausgewertet werden.

Hinweis: Diese Projektseite wird nicht mehr aktualisiert und hat Archivstatus.